Calcium und seine Bedeutung für Rheumatiker

In Rheuma & Ernährung by danielapaulsen

Calcium ist ein essenzieller Mineralstoff, der eine zentrale Rolle für die Gesundheit von Knochen und Gelenken spielt. Insbesondere für Rheumatiker kann der richtige Umgang mit Calcium eine wichtige Rolle dabei spielen, Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu reduzieren und das Fortschreiten von Gelenkschäden zu verlangsamen. Nachfolgend werden die wichtigsten Erkenntnisse aus aktuellen wissenschaftlichen Studien dargestellt.

1.Calcium und die Knochengesundheit

Rheumatiker sind aufgrund chronischer Entzündungen, häufiger Kortison-Therapie und Bewegungsmangels oft einem erhöhten Risiko für Osteoporose ausgesetzt. Calcium ist ein Schlüsselbaustein für starke Knochen und wirkt dem Knochenabbau entgegen. Studien zeigen, dass sowohl ein Calciummangel als auch ein Überschuss negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben können.

  • Empfohlene Tagesdosis: Für Erwachsene wird eine Aufnahme von etwa 1000 bis 1200 mg Calcium pro Tag empfohlen. Dies kann über eine ausgewogene Ernährung (z. B. durch Milchprodukte, grünes Gemüse und Nüsse) oder gegebenenfalls Nahrungsergänzungsmittel erreicht werden.
  • Wichtige Synergie mit Vitamin D: Vitamin D unterstützt die Aufnahme von Calcium im Darm und sollte bei Rheumatikern besonders im Blick behalten werden.

2.Calcium und entzündliche Prozesse

Forschungen legen nahe, dass Calcium auch eine Rolle bei entzündlichen Prozessen spielt:

  • Zusammenhang mit Cortisol: Ein hoher Cortisolspiegel, der bei chronischem Stress oder durch Kortisontherapie auftreten kann, führt zu einem erhöhten Knochenabbau und beeinflusst die Calciumaufnahme negativ. Studien zeigen, dass ein ausgewogener Calciumspiegel dabei helfen kann, den negativen Auswirkungen von Cortisol entgegenzuwirken.
  • Calcium-Pyrophosphat-Depositionen (CPPD): Bei einigen Rheumatikern kann es zur Ablagerung von Calciumpyrophosphat-Kristallen in den Gelenken kommen, was als Pseudogicht bekannt ist. Diese Erkrankung kann akute Entzündungen verursachen, und ihre Prävention sowie Behandlung erfordern eine sorgfältige Calciumregulierung.

3.Calcium und Sterblichkeit

Eine gross angelegte Studie an Osteoarthritis-Patienten hat gezeigt, dass sowohl ein zu niedriger als auch ein zu hoher Serum-Calciumspiegel mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden sein können. Hohe Calciumspiegel wurden mit einem Anstieg von kardiovaskulären und anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Dies unterstreicht die Bedeutung einer ausgewogenen Calciumversorgung und einer regelmässigen Überprüfung der Blutwerte.

4.Arten von Calcium und deren Bioverfügbarkeit

Es gibt verschiedene Formen von Calcium, die in Nahrungsergänzungsmitteln oder Lebensmitteln vorkommen, und sie unterscheiden sich in ihrer Bioverfügbarkeit, also darin, wie gut der Körper sie aufnehmen kann:

  • Calciumcarbonat: Diese Form enthält einen hohen Anteil an elementarem Calcium (ca. 40 %) und wird am besten zusammen mit einer Mahlzeit aufgenommen, da Magensäure die Aufnahme verbessert.
  • Calciumcitrat: Diese Form ist besonders für Menschen geeignet, die weniger Magensäure produzieren (z. B. ältere Menschen oder Personen, die Protonenpumpenhemmer einnehmen). Sie hat eine etwas geringere Konzentration an elementarem Calcium (ca. 21 %), wird jedoch unabhängig von Mahlzeiten gut aufgenommen.
  • Calciumlaktat und Calciumgluconat: Diese Formen enthalten weniger elementares Calcium, sind aber sehr gut verträglich und werden häufig in medizinischen Anwendungen verwendet.
  • Calciumphosphat: Diese Form ist oft in Lebensmitteln wie angereicherten Frühstücksflocken enthalten und bietet eine gute Bioverfügbarkeit. Sie liefert gleichzeitig Phosphor, einen weiteren wichtigen Mineralstoff für die Knochengesundheit.

Wichtig: Die Wahl der Calciumquelle sollte individuell an die Bedürfnisse und die Verträglichkeit angepasst werden. Sprich mit Deinem Arzt oder Deiner Ernährungsberaterin, um die für Dich geeignete Form zu finden.

5.Zusätzliche Informationen für Rheumatiker

  • Calcium und Phosphor-Verhältnis: Rheumatoide Arthritis (RA) ist oft mit einem niedrigen Calciumspiegel und einem gestörten Calcium-Phosphor-Verhältnis verbunden. Diese Ungleichgewichte können durch entzündliche Prozesse und metabolische Veränderungen verstärkt werden.
  • Calcium-Malabsorption: Chronische Entzündungen und Kortikosteroid-Therapien können die Aufnahme von Calcium im Darm beeinträchtigen und zu erhöhtem Osteoporoserisiko führen.
  • Einfluss von Corticosteroiden: Die langfristige Einnahme von Corticosteroiden kann den Calciumstoffwechsel negativ beeinflussen und den Knochenabbau fördern. Regelmäßige Bluttests zur Überprüfung des Calciumspiegels sind wichtig
  • Calcium-Pyrophosphat-Depositionen (CPPD): Diese kristallinen Ablagerungen können entzündliche Reaktionen in den Gelenken hervorrufen. Eine ausgewogene Calciumaufnahme kann helfen, diese Erkrankung zu kontrollieren.
  • Calcium und Medikamente: Einige Medikamente, die bei Rheuma eingesetzt werden, wie Kortikosteroide, können den Calciumstoffwechsel beeinflussen. Regelmässige Kontrollen des Calciumspiegels sind daher essenziell.
  • Wechselwirkungen mit anderen Mineralstoffen: Eine übermässige Zufuhr von Calcium kann die Aufnahme anderer Mineralstoffe wie Magnesium und Zink beeinträchtigen. Diese Balance sollte in der Ernährung oder Supplementierung berücksichtigt werden.
  • Hydratation und Nierengesundheit: Da eine hohe Calciumaufnahme das Risiko von Nierensteinen erhöhen kann, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig, insbesondere bei Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.
  • Individuelle Unterschiede: Menschen mit bestimmten Erkrankungen wie Hypoparathyreoidismus oder Malabsorptionssyndromen benötigen möglicherweise spezielle Calciumregime. Diese sollten in enger Absprache mit einem Arzt oder einer Ärztin festgelegt werden.

6. Praktische Empfehlung für den Alltag

  • Calciumreiche Ernährung: Setze auf Lebensmittel wie Milchprodukte, Mandeln, Brokkoli und calciumreiches Mineralwasser. Vermeide gleichzeitig eine übermässige Aufnahme durch unkontrollierte Nahrungsergänzungsmittel.
  • Regelmässige Bewegung: Regelmässige, gelenkschonende Bewegung wie Schwimmen oder Yoga kann die Knochengesundheit verbessern und den Calciumstoffwechsel positiv beeinflussen.
  • Sonnenlicht: Eine ausreichende Exposition gegenüber Sonnenlicht fördert die Vitamin-D-Produktion und somit die Calciumaufnahme.
  • Medikamentenkontrolle: Kläre mit Deinem Arzt, ob eine langfristige Kortisontherapie notwendig ist und wie sie mit Calciumergänzungen kombiniert werden kann.

7.Fazit

Calcium ist ein entscheidender Faktor für die Gesundheit von Rheumatikern, sowohl im Hinblick auf die Knochengesundheit als auch auf entzündliche Prozesse. Eine ausgewogene Calciumversorgung, kombiniert mit einer gesunden Lebensweise, kann helfen, die Lebensqualität zu verbessern und das Fortschreiten von Erkrankungen zu verlangsamen. Bespreche mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin, wie Du Deinen Calciumhaushalt optimal gestalten kannst, um langfristig von den positiven Effekten zu profitieren.

Quellenverzeichnis

  • Fu et al., 2024, BMC Public Health, Association of serum calcium,vitamin D, and C-reactive protein with all-cause and cause-specific mortality in an osteoarthritis population in the UK: a prospective cohort study
  • Pascart et al., 2024, Lancet Rheumatology, Calcium pyrophosphate deposition disease
  • Canday et al., 2024, East Journal of Medicine, Stress Factors Increase Osteoporosis: A Comparative Assessment of Osteocalcin and Cortisol Levels in Menopausal Women
  • Cipolletta et al., 2023, Rheumatology, Diagnosis of calcium pyrophosphate crystal deposition disease by ultrasonography: how many and which sites should be scanned?

Weitere Studien

  • Codes-Méndez et al., 2023, RMP Open, Application of the 2023 ACR/EULAR classification criteria for calcium pyrophosphate deposition disease in a seronegative rheumatoid arthritis cohort
  • F.C.Venegas et al., 2024, American College of Rheumatology, Oxidative Stress by the Mitochondrial Monoamine Oxidase B Mediates Calcium Pyrophosphate Crystal–Induced Arthritis
  • Dr.Vinay Kumar Agarwal et al., 2017, Journal of Cardiovascular Disease Research, Study of Calcium and Phosphorus Lebels in Patients with Rheumatoid Arthritis