Wenn trotz negativem ANA-Wert eindeutige Symptome einer erkrankung vorliegen, muss tiefergehend gesucht werden. Um einen Überblick zu erhalten, welche möglichkeiten noch bestehen, um mit ANA assoziierte Erkrankungen nachzuweisen habe ich in diesem Beitrag weitere Untersuchungsmöglichkeiten aufgeführt.
1.Mit ANA assoziierte Autoimmunerkrankungen
Antiphospholipidsyndrom (APS)
- Mit ANA assoziiert: Bei etwa 10% der Patienten können ANA nachweisbar sein. APS ist eine Autoimmunerkrankung, die durch thrombophile Antikörper gekennzeichnet ist, welche das Risiko für Thrombosen und Fehlgeburten erhöht.
- Zusätzliche Blutwerte:
- Anti-Cardiolipin-Antikörper: Typisch für APS.
- Beta-2-Glykoprotein-I-Antikörper: Wichtiger Marker.
- Lupus-Antikoagulans: Zur Diagnose essenziell.
- D-Dimere: Bei akuter Thrombose häufig erhöht.
Autoimmune Hepatitis (AIH)
- Mit ANA assoziiert: ANA sind bei 50-80% der Patienten mit AIH nachweisbar, besonders bei Typ I (lupoide Hepatitis).
- Zusätzliche Blutwerte:
- Anti-glattmuskuläre Antikörper (SMA): Häufig bei Typ I AIH.
- Anti-LKM1: Spezifisch für Typ II AIH.
- Leberwerte (ALT, AST, ALP): Erhöht bei Leberentzündung.
- IgG: Oft erhöht und ein diagnostischer Hinweis.
Autoimmunhepatitis Typ I (lupoide Hepatitis)
- Mit ANA assoziiert: Bei nahezu 100% der Patienten sind ANA positiv. Dies ist die häufigste Form der Autoimmunhepatitis.
- Zusätzliche Blutwerte:
- Anti-glattmuskuläre Antikörper (SMA): Hochsensitiv.
- IgG: Stark erhöht, ein Schlüsselmarker.
- Leberwerte (ALT, AST): Typisch stark erhöht.
- Anti-SLA/LP: Kann zusätzlich getestet werden.
Hashimoto-Thyreoiditis
- Mit ANA assoziiert: ANA sind bei etwa 20-50% der Patienten nachweisbar. Hashimoto ist eine chronische Autoimmunthyreoiditis, die zu Hypothyreose führen kann.
- Zusätzliche Blutwerte:
- Anti-TPO (Thyreoperoxidase-Antikörper): Typisch für Hashimoto.
- Anti-Tg (Thyreoglobulin-Antikörper): Häufig erhöht.
- TSH, fT4, fT3: Zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion.
Morbus Basedow
- Mit ANA assoziiert: ANA können bei bis zu 20% der Patienten nachweisbar sein. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, die Hyperthyreose verursacht.
- Zusätzliche Blutwerte:
- TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK): Spezifisch für Morbus Basedow.
- Anti-TPO: Häufig erhöht.
- TSH, fT4, fT3: Typisch für Hyperthyreose verändert.
Pulmonale arterielle Hypertonie (PAH) und Lungenfi-brose
- Mit ANA assoziiert: ANA sind bei 20-40% der Patienten positiv, besonders wenn eine zugrunde liegende Autoimmunerkrankung vorliegt (z. B. systemische Sklerose).
- Zusätzliche Blutwerte:
- Anti-Scl-70: Kann bei Lungenfibrose positiv sein.
- Anti-Ro/SSA: Assoziiert mit interstitiellen Lungenerkrankungen.
- BNP oder NT-proBNP: Zur Überwachung von Herzbelastungen.
- Lungenfunktionstests: Zur Beurteilung der Lungenkapazität.
Primär biliäre Cholangitis (PBC)
- Mit ANA assoziiert: ANA sind bei nahezu 100% der Patienten nachweisbar, häufig in Form eines zentromerischen Musters.
- Zusätzliche Blutwerte:
- Anti-Mitochondrien-Antikörper (AMA): Hochspezifisch für PBC.
- IgM: Typisch erhöht bei PBC.
- Leberwerte (ALP, Bilirubin): Charakteristisch stark erhöht.
- GGT: Zur Beurteilung der Gallengangsbeteiligung.
Rheumatoide Arthritis (RA)
- Mit ANA assoziiert: ANA sind bei etwa 30% der Patienten positiv, jedoch weniger spezifisch als andere Marker. RA betrifft primär die Gelenke, kann jedoch systemische Manifestationen wie Lungen- oder Herzbeteiligung aufweisen.
- Zusätzliche Blutwerte:
- Anti-CCP (zyklische citrullinierte Peptide): Hoch spezifisch und ein Frühmarker der Erkrankung.
- Rheumafaktor (RF): Häufig positiv, jedoch weniger spezifisch.
- CRP und BSG: Zeigen die Entzündungsaktivität an.
- Anti-MCV: Ein zusätzlicher Marker, besonders bei seronegativer RA.
- Bildgebung (z. B. Röntgen, MRT): Zur Beurteilung von Gelenkzerstörungen.
Thyreoiditis
- Mit ANA assoziiert: Bei autoimmunen Schilddrüsener-krankungen wie Hashimoto oder Basedow können ANA bei 30-50% der Patienten positiv sein.
- Zusätzliche Blutwerte:
- Anti-TPO: Erhöht bei Hashimoto und Basedow.
- TSH, fT4, fT3: Zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion.
- Anti-Tg: Häufig positiv bei autoimmuner Thyreoiditis.
2.Mit ANA assoziierte Kollagenosen
Mixed Connective Tissue Disease (MCTD)
- Mit ANA assoziiert: ANA sind bei nahezu 100% der Patienten positiv. Typisch ist ein feinkörniges (speckled) Fluoreszenzmuster.
- Zusätzliche Blutwerte:
- Anti-RNP: Essenziell für die Diagnose von MCTD.
- Komplementfaktoren (C3, C4): Können bei aktiver Erkrankung vermindert sein.
- Entzündungsmarker (CRP, BSG): Häufig erhöht.
- Organ-spezifische Tests: Lungenfunktionstests bei Verdacht auf pulmonale Hypertonie.
Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
- Mit ANA assoziiert: ANA sind bei 95-100% der Patienten nachweisbar. Ein homogenes ANA-Muster ist typisch, aber nicht exklusiv.
- Zusätzliche Blutwerte:
- Anti-dsDNA: Hoch spezifisch, besonders bei Lupusnephritis.
- Anti-Sm: Marker für SLE, jedoch seltener.
- Komplementfaktoren (C3, C4): Verminderte Werte können auf Krankheitsaktivität hinweisen.
- Antiphospholipid-Antikörper: Bei thrombotischen Komplikationen häufig erhöht.
- CRP und BSG: BSG häufig erhöht, CRP meist nur bei sekundären Infektionen.
Systemische Sklerose (Sklerodermie)
- Mit ANA assoziiert: ANA sind bei 95% der Patienten positiv. Nukleoläres oder zentromerisches Muster häufig.
- Zusätzliche Blutwerte:
- Anti-Scl-70: Typisch für die diffuse Form der Sklerodermie, assoziiert mit Lungenfibrose.
- Anti-Zentromer: Marker für die limitierte Form (CREST-Syndrom).
- NT-proBNP: Zur Beurteilung einer möglichen Herzbeteiligung.
- Lungenfunktionstests: Zur Abklärung einer interstitiellen Lungenerkrankung.
- Entzündungsmarker (CRP, BSG): Erhöht bei systemischen Entzündungen.
Sjögren-Syndrom
- Mit ANA assoziiert: ANA sind bei ca. 90% der Patienten positiv, häufig mit Anti-Ro/SSA und Anti-La/SSB.
- Zusätzliche Blutwerte:
- Anti-Ro/SSA und Anti-La/SSB: Typisch für Sjögren-Syndrom.
- Rheumafaktor (RF): Häufig positiv, selbst ohne rheumatoide Arthritis.
- Hypergammaglobulinämie: Nachweisbar durch Serum-Protein-Elektrophorese.
- Schirmer-Test: Zur Bewertung der Tränenproduktion.
- Speicheldrüsenbiopsie: Zur Sicherung der Diagnose bei unklaren Fällen.
3.Mit ANA assoziierte Vaskulitiden
ANA können bei einigen Vaskulitiden positiv sein, sind jedoch nicht spezifisch. Vaskulitiden entstehen durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems, das die Gefäßwände angreift.
Beispiele und spezifische Marker:
- Granulomatöse Polyangiitis (ehemals Wegener-Granulomatose):
- ANCA (c-ANCA, PR3): Spezifisch für die Erkrankung.
- CRP und BSG: Häufig erhöht bei Entzündungen.
- Komplementfaktoren: Können bei systemischen Entzündungen verändert sein.
Mikroskopische Polyangiitis:
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- ANCA (p-ANCA, MPO): Typisch für die Erkrankung.
- Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff): Zur Beurteilung einer Glomerulonephritis.
Churg-Strauss-Syndrom (eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis):
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- ANCA: Oft p-ANCA assoziiert, jedoch nicht in allen Fällen positiv.
- Eosinophile im Blut: Typisch stark erhöht.
- IgE: Häufig erhöht, besonders bei Allergie-assoziierten Formen.
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Takayasu-Arteriitis:
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- Entzündungsmarker (CRP, BSG): Starke Erhöhung bei aktiver Entzündung.
- Angiographie: Zur Beurteilung von Gefäßveränderungen.
4.Mit ANA assoziierte Infektionen, Neubildungen & andere Erkrankungen
Infektionen (viral, bakteriell):
- Epstein-Barr-Virus, HIV, Hepatitis-C-Virus, Parvovirus B19
- subakute bakterielle Endokarditis
- Syphilis
Neubildungen:
- hepatozelluläres Karzinom (HCC;
- primäres Leberzellkarzinom) (ca. 30 %);
- lymphoproliferative Erkrankungen;
- paraneoplastische Syndrome
Andere Krankheiten:
- chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED);
- idiopathische Lungenfibrose (IPF)

