Bursitis (Schleimbeutelentzündung) unter den Fussballen

In Rheuma & Entzündungen by danielapaulsen

Eine Schleimbeutelentzündung unter dem Fussballen, auch Bursitis genannt, kann sehr schmerzhaft und unangenehm sein. Die Behandlung zielt darauf ab, die Entzündung zu lindern, die Symptome zu reduzieren und die zugrunde liegende Ursache zu beheben.

1.Rheumatische Grunderkrankung behandeln

Die wichtigste Massnahme ist die Behandlung des Rheuma selbst. Dies geschieht oft durch Basistherapeutika wie Methotrexat oder Leflunomid und/oder Biologika (z. B. Adalimumab oder Etanercept). Diese Medikamente wirken auf das Immunsystem und reduzieren die Entzündungen systemisch, was auch die Schleimbeutelentzündung positiv beeinflussen kann.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac helfen, Schmerzen und Entzündungen zu lindern.

Da Du dieses Dokument jedoch runtergeladen hast, hat Dein Biologikum entweder noch nicht die volle Wirkung entfaltet oder es reicht nicht aus, um das Rheuma und damit die Bursitis in den Griff zu bekommen. Sollte dies öfter vorkommen, wäge mit Deinem Rheumatologen den Kosten / Nutzen Faktor Deiner aktuellen Medikation ab und bespreche ob ein Wechsel, so kräftezehrend er auch ist, vielleicht eine Option wäre.

Bei akuten Schüben oder schweren Entzündungen kann der Arzt Kortison-Injektionen (Infiltrationen) direkt in den Schleimbeutel oder oral verabreichte Kortisonpräparate (z. B. Prednisolon) verschreiben. Kortison ist stark entzündungshemmend und kann die Symptome schnell lindern. Allerdings sollte dies aufgrund von möglichen Nebenwirkungen nicht langfristig eingesetzt werden. Auch Infiltrationen, die zwar sehr viel besser geeignet sind, weil sie gezielt das Problem angehen, anstatt den ganzen Körper mit Cortison zu überfluten, sind mit Bedacht einzusetzen. Wenn die Schmerzen jedoch unerträglich und alle Optionen ausgeschöpft sind, sind sie eine sehr gute Möglichkeit um endlich Ruhe in den Schleimbeutel zu bringen.

2.Physiotherapie

Physiotherapie ist auch bei rheumabedingten Entzündungen hilfreich. Der Therapeut kann dir gezielte Übungen zeigen, die die Belastung auf den Fussballen verringern und die Beweglichkeit verbessern. Spezielle Massnahmen zur Entlastung der Gelenke und des betroffenen Bereichs können ebenfalls Teil der Therapie sein.

Fussgewölbe-Stärkungsübung (Tuchgreifen mit den Zehen)

Ziel: Diese Übung stärkt die Fussmuskulatur, insbesondere die Muskeln, die das Fussgewölbe stützen. Ein starkes Fussgewölbe hilft, den Druck auf den Fussballen zu verringern und Fehlbelastungen zu vermeiden.

Ablauf:

  1. Setze dich auf einen Stuhl, sodass die Füsse flach auf dem Boden stehen und etwa schulterbreit auseinander sind.
  2. Lege ein kleines Handtuch flach auf den Boden vor dir.
  3. Nutze nur die Zehen des betroffenen Fusses, um das Handtuch zu greifen und es Richtung Ferse zu ziehen.
  4. Lass das Handtuch wieder los und wiederhole die Bewegung.
  5. Führe diese Bewegung für etwa 10 Wiederholungen durch.
  6. Wechsel das Bein und wiederhole die Übung, falls nötig, auch mit dem anderen Fuss.

Hinweis: Achte darauf, dass nur die Zehen arbeiten und die restlichen Fussmuskeln und der Fussballen so wenig wie möglich belastet werden. Diese Übung kann auch im Stehen durchgeführt werden, um die Intensität zu erhöhen.

Vorteil: Diese Übung stärkt das Fussgewölbe und trägt dazu bei, die Belastung auf den Fussballen zu reduzieren. Dadurch wird der Druck auf den Schleimbeutel minimiert.

Dehnübung der Plantarfaszie (Fusssohlen-Dehnung)

Ziel: Diese Übung dehnt die Plantarfaszie (eine Bindegewebsschicht an der Fusssohle) und kann Spannungen und Druck auf den Fussballen verringern. Sie hilft auch, die Flexibilität des Fusses zu verbessern.

Ablauf:

  1. Setze dich auf den Boden oder auf einen Stuhl.
  2. Strecke das betroffene Bein aus und lege das Fussgelenk des betroffenen Fusses auf das gegenüberliegende Knie (bei sitzender Haltung).
  3. Greife mit den Händen die Zehen des betroffenen Fusses.
  4. Ziehe die Zehen vorsichtig in Richtung des Schienbeins, bis du eine Dehnung an der Fusssohle und im Bereich des Fussgewölbes spürst.
  5. Halte die Dehnung für 20-30 Sekunden.
  6. Entspanne den Fuss und wiederhole die Dehnung 3-5 Mal.

Alternative: Falls es dir schwerfällt, die Zehen zu greifen, kannst du ein Handtuch um die Zehen wickeln und die Enden des Handtuchs sanft in Richtung des Körpers ziehen.

Vorteil: Diese Übung dehnt die Plantarfaszie und hilft, Spannungen an der Fusssohle und im Fussballen zu lösen. Dadurch wird der Druck auf den betroffenen Schleimbeutel reduziert und die Beweglichkeit des Fusses gefördert.

3.Orthopädische Hilfsmittel

Bei entzündlichem Rheuma ist es oft wichtig, die Belastung auf den Fuss durch geeignete Schuhe oder orthopädische Einlagen zu reduzieren. Diese Einlagen können helfen, den Druck auf den Fussballen zu verteilen und so die Entzündung zu lindern. Dein Orthopäde kann Dir hierfür ein Rezept schreiben mit dem Du anschliessend ins Sanitätshaus gehst, wo Deine Einlagen an Deinen Fuss angepasst werden.

Schuhanpassungen oder weiche Polsterungen können hilfreich sein, um den Fuss zu entlasten.

4.Kälte- und Wärmebehandlungen

Kühle den betroffenen Bereich für 15-20 Minuten, mehrmals täglich, mit Eispackungen, um die Schwellung und den Schmerz zu lindern.

Tipp: Falls Du kein Kühlpack Zuhause haben solltest wickel ein paar Eiswürfel in ein Handtuch oder nimm eine Packung Tiefkühlgemüse.

5.Ernährung und Lebensstil

Eine entzündungshemmende Ernährung kann auch unterstützend wirken. Omega-3-Fettsäuren, die z. B. Chia- und Leinsamen enthalten sind, können helfen, Entzündungen zu reduzieren. Auch eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und wenig verarbeiteten Lebensmitteln kann unterstützend wirken. Das in Milchprodukten enthaltene Casein, sollte auch reduziert werden.

6.Kälte- und Wärmebehandlungen

Kühle den betroffenen Bereich mit Eispackungen, um die Schwellung und den Schmerz zu lindern. Lege das Eis in ein Handtuch und wende es für 15-20 Minuten an, mehrmals täglich.

7.Entzündungshemmende Salben

Zusätzlich zu oralen Medikamenten können auch entzündungshemmende Salben oder Gele (z. B. mit Diclofenac) direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen werden, um lokal die Entzündung zu reduzieren. Olfengel kennen vermutlich viele. Höher dosiert, jedoch auch aggressiver zur Haut und entsprechend vorsichtig aufzutragen ist Pennaid Gel.

Tipp: Wem naturheilkundliche Alternativen lieber sind, kann ich Weihrauchsalbe wärmstens empfehlen oder einen Umschlag mit Quark und Korn. Angestochene Kohlblattwickel sind ebenfalls eine Möglichkeit Entzündungen zu lindern. Wer die Möglichkeit hat an Fettwolle (Schafswolle) zu kommen, kann diese mit einem Verband auf die entzündete Stelle legen. Die Wolle wird aus besonders feinen Schafhaaren gewonnen und enthält natürliche Lanolin- und Fettstoffe, die antibakteriell, entzündungshemmend und beruhigend wirken können.

8.Ultraschalltherapie

Die Ultraschalltherapie nutzt hochfrequente Schallwellen, um die Durchblutung zu verbessern und die Heilung zu fördern. Sie kann helfen, Schmerzen zu lindern und die Entzündung zu reduzieren, insbesondere bei chronischen Fällen. Du kannst Ultraschalltherapie beim Physiotherapeuten erhalten, oder bei immer wiederkehrenden Problemen ein Gerät für Zuhause anschaffen.

9.Stosswellentherapie

Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) kann bei chronischen Entzündungen oder schlecht heilenden Schleimbeutelentzündungen eine Rolle spielen. Die Stosswellen regen die Durchblutung und den Heilungsprozess an und können entzündungshemmend wirken. Diese Therapie ist jedoch bei einer akuten Entzündung nicht die erste Wahl, sondern eher bei langwierigen oder wiederkehrenden Beschwerden sinnvoll. Des Weiteren ist sie aus eigener Erfahrung nicht ganz schmerzfrei. Man muss somit ersteinmal die Zähne zusammenbeissen, bevor es besser wird.

10.Manuelle Therapie und Massagen

Manuelle Massagetechniken und sanfte Mobilisation des betroffenen Fusses können Spannungen und Verklebungen im Gewebe lösen und die Belastung des Schleimbeutels verringern. Eine gezielte manuelle Therapie durch einen erfahrenen Therapeuten kann die Mobilität fördern und Fehlbelastungen korrigieren. Es tut jedoch auch gut selbst die Füsse zu massieren, falls die Hände dies zulassen.

11.Akupunktur

Akupunktur kann als ergänzende Behandlung helfen, Schmerzen zu lindern und die körpereigenen Heilungsprozesse zu unterstützen. Einige Patienten berichten von einer deutlichen Schmerzlinderung durch diese Therapie, auch wenn die wissenschaftliche Datenlage in Bezug auf Schleimbeutelent-zündungen begrenzt ist, doch was hat man zu verlieren, wenn nichts anderes mehr hilft…

12.Kinesio-Taping

Kinesio-Tapes können eingesetzt werden, um den betroffenen Bereich zu stabilisieren, die Muskulatur zu unterstützen und die Entzündung zu entlasten. Das Tape hebt die Haut leicht an, was die Durchblutung fördert und den Heilungsprozess unterstützt.

13.Lasertherapie (Low-Level-Laser-Therapie)

Die Low-Level-Laser-Therapie (LLLT) nutzt kaltes Licht, um Entzündungen zu reduzieren und die Heilung des Gewebes zu fördern. Diese Therapie ist schmerzfrei und kann bei chronischen Entzündungen hilfreich sein, indem sie die Zellreparatur unterstützt.

14.Kompressionsstrümpfe oder Bandagen

Kompressionsstrümpfe oder Bandagen können helfen, Schwellungen zu reduzieren und die Belastung auf den betroffenen Fussballen zu verringern. Dies kann insbesondere in Kombination mit anderen Behandlungen sinnvoll sein.

15.Elektrotherapie (TENS)

TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation) ist eine Elektrotherapie, die über Elektroden auf der Haut den Schmerzreiz blockiert und die Freisetzung von Endorphinen fördert. Sie kann helfen, Schmerzen zu reduzieren und die Heilung zu unterstützen. Fange mit einem leichten Reiz an und schaue wie Du auf diese Therapieform reagierst.

16.Hydrotherapie

Hydrotherapie oder Bewegungstherapie im Wasser / Wassergymnastik kann helfen, den Druck auf den Fussballen zu reduzieren und gleichzeitig die Gelenke und Muskulatur schonend zu bewegen. Dies kann bei Rheuma besonders vorteilhaft sein, da es die Belastung der Gelenke minimiert.

17.Platelet-Rich Plasma (PRP)

Es gibt Hinweise darauf, dass die Platelet-Rich Plasma (PRP)-Therapie eine wirksame Behandlungsmethode bei chronischen Schleimbeutelentzündungen, insbesondere in Bereichen wie der Hüfte, sein kann. Mehrere Studien zeigen, dass PRP bei chronischer Bursitis effektiver und langfristig wirksamer ist als Kortison-Injektionen.

In einer Studie zur Behandlung von schwerer Hüftbursitis (Trochanter-Bursitis) wurden zwei Patientengruppen verglichen: Eine Gruppe erhielt Kortison-Injektionen, die andere PRP-Injektionen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Patienten, die PRP erhielten, sowohl kurz- als auch langfristig eine signifikant bessere Verbesserung der Symptome erzielten, verglichen mit der Kortison-Gruppe. Die PRP-Gruppe hatte nach drei Monaten und sogar nach einem Jahr weiterhin bessere Werte in Bezug auf Schmerzreduktion und Beweglichkeit​.

Diese Wirkung wird den im PRP enthaltenen Wachstumsfaktoren zugeschrieben, die die Geweberegeneration anregen und entzündungshemmend wirken. Dies fördert nicht nur die Heilung, sondern führt auch zu einer langfristigen Verbesserung der Funktion​.

Obwohl weitere Forschung erforderlich ist, um die genauen Mechanismen und die optimale Dosierung besser zu verstehen, bieten diese Ergebnisse vielversprechende Ansätze für den Einsatz von PRP bei chronischen Entzündungen wie Schleimbeutelentzündungen. Patienten, die nicht ausreichend auf traditionelle Behandlungen wie Kortison oder Physiotherapie ansprechen, könnten von PRP-Injektionen profitieren.

18. Operative Massnahmen bei schweren Fällen

In seltenen, sehr schweren Fällen und wenn konservative Behandlungen nicht ausreichen, könnte eine operative Entfernung des Schleimbeutels erwogen werden. Dies ist jedoch oft der letzte Schritt, wenn andere Behandlungsoptionen versagen.

Eine enge Zusammenarbeit mit einem Rheumatologen und ggf. einem Orthopäden ist essenziell, um sowohl die Schleimbeutelentzündung als auch die zugrunde liegende rheumatische Erkrankung effektiv zu behandeln und langfristig Komplikationen zu vermeiden.