Während der Wechseljahre durchläuft unser Körper erhebliche hormonelle Schwankungen, die sich auch auf unsere Rheumaerkrankung auswirken können.
Wenn wir die Auswirkungen der Wechseljahre lindern, tun wir somit auch unserem Rheuma etwas Gutes.
ÖSTROGEN
Es gibt drei Hauptarten von Östrogen im menschlichen Körper
- Estron (E1): Diese Form von Östrogen ist während der Menopause vorherrschend. Es wird im Fettgewebe, der Nebennierenringe und den Eierstöcken produziert.
- Estradiol (E2): Dies ist die häufigste und stärkste Form von Östrogen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Es wird hauptsächlich in den Follikeln der Eierstöcke produziert, weshalb der Östrogenspiegel beginnt abzunehmen, sobald der Eisprung nicht mehr regelmässig stattfindet.
- Estriol (E3): Dies ist hauptsächlich ein Abbauprodukt von Estradiol und Estron und somit die schwächste Form von Östrogen. Zu geringen Teilen wird es jedoch auch von den Eierstöcken, den Nebennieren und der Leber produziert.
Ein Ungleichgewicht im Östrogenspiegel kann zu verschiedenen Gesundheitsproblemen führen.
Östrogenüberschuss
- Unregelmässige Menstruationszyklen
- Gewichtszunahme, insbesondere im Bereich der Hüften und Oberschenkel
- Erhöhtes Risiko für Brustkrebs und Gebärmutterschleimhautkrebs
Östrogenmangel
- Hitzewallungen, Nachtschweiss, Schlafstörungen und vaginale Trockenheit
- Erhöhtes Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Brainfog, Konzentrationsprobleme
Östrogen wirkt entzündungshemmendend. Ein sinkender Östrogenspiegel kann entsprechend das Risiko für Entzündungen im Körper erhöhen und rheumatische Beschwerden inklusive des Brainfogs verstärken.
Studien zeigen desweiteren, dass Frauen nach der Menopause ein erhöhtes Risiko für die Entstehung rheumatischer Erkrankungen haben, aber auch Frauen mit einer frühen Menopause (vor dem 44. Lebensjahr) sind stärker gefährdet.
PROGESTERON
Progesteron wird hauptsächlich in den
- Eierstöcken, insbesondere im Gelbkörper (Corpus luteum) nach dem Eisprung produziert und
- in geringen Mengen in den Nebennieren bei beiden Geschlechtern.
- Während der Schwangerschaft wird es hingegen auch in grossen Mengen von der Plazenta produziert.
Progesteron wirkt
- entspannend
- angstlösend
- schmerzlindernd und
- schlaffördernd
Progesteronmangel
- unregelmässiger Menstruationszyklus
- Zwischenblutungen
- Brustschmerzen
- Probleme bei der Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft
- Stimmungsschwankungen
- Angstzustände
- erhöhte Reizbarkeit
- Schlafstörungen
Da der Schlaf bei Rheuma eh bereits aufgrund nächtlicher Liegeschmerzen gestört ist, kann ein Progesteronmangel diese wichtige Erholungsphase noch weiter erschweren.
Progesteronüberschuss
- Ein hoher Progesteronspiegel kann zu Müdigkeit und verminderter Energie führen.
- Ebenso kann ein Überschuss zu einer Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen führen.
Studien zeigen, dass das viszerale Fettgewebe (Bauchfett) Botenstoffe produziert, die Entzündungen verstärken und somit negative Auswirkungen auf Rheumaerkrankungen haben können.
Ein Body-Mass-Index (BMI) von über 25 steigert z.B. das Risiko einer Rheumatoiden Arthritis (Quelle: De Hair MJ. et.al.: “Smoking and overweight determine the likelihood of developing rheumatoid arthritis, Ann Rheum Dis., 2013”; (10): 1654-1658)
STRESS
Die Wechseljahre bringen aufgrund der hormonellen Schwankungen oft emotionale und körperliche Herausforderungen mit sich, die zu erhöhtem Stress führen können.
Da Stress ein grosser Auslöser für Rheuma-Schübe ist, kann dieser die bestehenden Symptome weiter verschlechtern.
Es kann somit hilfreich sein medizinischen Rat einzuholen, um die Auswirkungen der Wechseljahre auf das Rheuma zu minimieren.

